Mach's nicht Telekommunikation

Telefonische Kündigungsbestätigung: 1&1 umgeht das Kündigungsrecht

Telefonische Kündigungsbestätigung durch 1&1

Wer schon einmal seinen Hostingvertrag oder DSL-Vertrag bei 1&1 gekündigt hat, kennt das Phänomen Telefonische Kündigungsbestätigung.

Nachdem Sie sich im Kundenaccount eingeloggt haben, können Sie online eine Kündigung des bestehenden Vertrags durchgeführen. Für das Login sind die Kundennummer sowie das persönliche Passwort erforderlich. Damit sollte der Sicherheit Genüge getan sein.

1&1 verpflichtet den Kunden jedoch, zusätzlich eine telefonische Bestätigung der Kündigung durchzuführen. Angeblich, um einen Missbrauch von Kündigungen vorzubeugen. Erfolgt nicht innerhalb von 14 Tagen die telefonische Rückmeldung, so wird der Vertrag nicht gekündigt, sondern weitergeführt. Das ist schlecht für diejenigen, die keine telefonische Kontaktaufnahme leisten können (zum Beispiel Gehörlose) oder die keine telefonische Kündigungsbestätigung durchführen wollen, weil sie keine Lust darauf haben, sich vom Kundenberater die Kündigung ausreden zu lassen. Nach unserer eigenen Erfahrung im Rahmen der Kündigung von 1&1-Hostingpaketen unserer Kunden schlägt der Kundenberater im Rahmen der telefonischen Kündigungsbestätigung attraktive Alternativangebote vor. Er versucht, den Kunden zu halten, indem er einen neuen Vertrag zu besseren oder attraktiveren Konditionen anbietet.

Nur haben wir gute Gründe für den Kündigungswunsch und weder die Lust noch die Zeit, uns „beraten“ zu lassen.

Ist die telefonische Kündigungsbestätigung durch 1&1 rechtlich zulässig?

Auf Focus Online beschreibt der Rechtsanwalt Thomas Hollweck einen solchen Fall. Sein Mandant hatte einen bestehenden DSL-Vertrag ordentlich gekündigt und von 1&1 sowohl den Erhalt der Kündigung als auch das Kündigungsdatum bestätigt bekommen.

Jedoch bat 1&1 im selben Schreiben nochmals um einen Rückruf, um die Kündigung zu bestätigen. Der Mandant vermutete aufgrund seiner Erfahrung mit anderen Anbietern, dass der Rückruf weniger der Vorbeugung vor Missbrauch als vielmehr der Kundenrückgewinnung dienen sollte. Er entschied sich dafür, die telefonische Kündigungsbestätigung bei 1&1 nicht durchzuführen. Dabei hatte er übersehen, dass im letzten Absatz des Schreibens darauf hingewiesen wurde, dass das Vertragsverhältnis fortgeführt wird, wenn der Rückruf nicht erfolgt.

Doch ist die telefonische Kündigungsbestätigung durch 1&1 rechtlich überhaupt zulässig? Gemäß RA Hollweck ist eine solche Kündigungsbedingung vom Gesetz nicht gedeckt und kann somit auch nicht als rechtmäßig angesehen werden. Denn rechtlich ist es so, dass eine Kündigung nach Erhalt (und vorbehaltlich bestehender Kündigungsfristen) gültig ist, ohne dass eine zusätzliche telefonische Bestätigung erforderlich wäre. Denn mit der Kündigung durch den Kunden sowie der schriftlichen Bestätigung der Kündigung durch 1&1 ist die Kündigung wirksam und das bestehende Vertragsverhältnis endet eindeutig und unzweifelhaft.

Dürfen Unternehmen eigenmächtig Kündigungsbedingungen festlegen?

Im Falle der telefonischen Kündigungsbestätigung durch 1&1 ist die zusätzliche Anforderung noch relativ einfach durchführbar. RA Hollweck gibt jedoch zu Recht zu bedenken, wohin es führen könnte, wenn Unternehmen die Kündigungsbedingungen eigenmächtig festlegen dürften. So könnten Firmen verlangen, dass eine Kündigung nur anerkannt wird, wenn der Kunde dazu einen Hausbesuch Zwecks persönlichem Gespräch akzeptiert. Oder dass er persönlich in der Firmenzentrale vorbeischauen muss. Hätten Unternehmen die Möglichkeit, Kunden die Kündigung so kompliziert wie möglich zu machen, so wären Kündigungen nur noch schwer möglich.

Wie kündige ich richtig?

Insbesondere Telekommunikationsanbieter ermöglichen häufig die Online-Kündigung im Kundenaccount. Ist dies nicht möglich oder möchten Sie diesen Weg nicht gehen, so können Sie formlos per Brief kündigen. Um den Versand des Briefes beweisen zu können, sollten Sie ihn per Einschreiben mit Rückschein versenden.

Tipp: Informieren Sie sich im Bereich Web-Recht über weitere Themen.

 

Haben auch Sie negative Erfahrungen mit den Kündigungsbedingungen von Telekommunikationsanbietern gemacht? Dann nehmen Sie Stellung und nutzen Sie unsere Kommentarfunktion.

Telefonische Kündigungsbestätigung: 1&1 umgeht das Kündigungsrecht
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9 Kommentare zu “Telefonische Kündigungsbestätigung: 1&1 umgeht das Kündigungsrecht

  1. Ich habe eine Kündigungsbestätiging von 1&1 bekommen obwohl ich gar nicht gekündigt habe. Die wollen mich zwingen zu den Stadtwerken zu wechseln welche 12% teurer sind und auch zu 1&1 gehören. Das sind fast Mafiosi Methoden

  2. Pingback: O2 fordert die telefonische Kündigungsbestätigung

  3. Pingback: Vodafone und Telefónica lehnen Kündigungen ab und werden abgemahnt.

  4. Okay. Das leuchtet ein! 😉
    Vielen Dank!

  5. Hallo Gabi,
    1&1 ist ein großes Unternehmen. Vielleicht ist da nicht jeder Support-Mitarbeiter ausreichend geschult bzw. informiert.

    Was den potentiellen Ärger angeht, den sich 1&1 mit der nicht zulässigen Einforderung einer Kündigungsbestätigung aussetzt: vermutlich bemühen nicht viele Kunden extra einen Anwalt. Das kostet Zeit, Nerven und – ohne Rechtsschutzversicherung – auch Geld. Selbst wenn einige den Rechtsweg gehen sollten, wäre das vermutlich eine Kosten-/Nutzen-Rechnung. Im Sinne davon, dass es das Unternehmen zwar einerseits ein wenig was kostet, andererseits können über die telefonische Rückmeldung vermutlich einige (viele?) Kunden von der Kündigung abgehalten werden, was entsprechende weiterbestehende Einnahmen generiert. Unterm Strich ist der Gewinn vielleicht deutlich höher aus der Verlust. Da kann man nur spekulieren…

  6. Noch eine Frage: wenn das Einfordern einer telefonischen Kündigungsbestätigung rechtlich gar nicht zulässig ist, bekommt 1&1 da eigentlich keinen Ärger von Kunden oder deren Anwälten?

  7. Die haben da echt keine Ahnung. Habe den 1&1 Support angerufen, das Verkaufsgespräch direkt abgewürgt und gesagt, dass 1&1 diesen Rückruf gar nicht verlangen darf. Mitarbeiterin wusste von nichts. Oder stellte sich dumm? Die Kündigung hat nun aber wohl geklappt.

  8. Danke für den informativen Artikel. Ich bin gerade dabei bei 1&1 zu kündigen und habe das über meinen Kundenaccount gemacht. Wie komme ich drumherum, die anzurufen?

    • Hallo Gabi,
      wahrscheinlich gar nicht. Erfolgt der Anruf nicht, so lässt 1&1 den Vertrag weiter laufen. Unabhängig davon, ob das rechtlich zulässig ist. Es gibt ein Urteil des Landgerichtes Kiel – Urteil vom 09.04.2015, Az. 15 O 99/14. Damals unterlag mobilcom-debitel vor Gericht, weil sie ebenfalls eine telefonische Kündigungsbestätigung einforderten. Man könnte bei 1&1 anrufen, z.B. gleich darauf hinweisen, dass man nicht zum Verbleib im Vertrag überredet werden will, die Kündigung des Vertrags bestätigen und direkt auf das Urteil hinweisen dass die telefonische Kündigung unzulässig ist.

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